Sammelgebiete

Das Deutsche Staubarchiv besteht seit 2004. Wir archivieren Stäube aus historisch wertvollen und bedeutenden Bauwerken. Dazu zählen etwa Kirchen, Kathedralen (sakrale Stäube), Museen (Kulturstäube), Parlamente, Regierungssitze, Orte politischen Handelns in Vergangenheit und Gegenwart (politische Stäube).

An all diesen Orten findet sich Staub. Staub ist das kleinste gemeinsame Vielfach unserer Kulturen. Staub ist ein Demokrat. Er besiedelt Paläste und einfache Hütten. Staub schreckt vor nichts zurück. Kunst- und Kulturikonen bedeuten ihm nichts. Er deckt alles mit größter Konsequenz zu. Staub ist zudem vielleicht das einzige wirkliche Kunstwerk. In der Natur kommt Staub nämlich nicht vor. Zumindest nicht in der negativen Bedeutung, die er im Kulturkontakt erfährt. Die Natur kennt ausschließlich nutzbare und daher wertvolle Materie. Nichts ist lästig. „Lästiger“ Staub ist daher eine wirkliche Kunst- und Kulturerscheinung. Paradox also, wenn er die Menschen ausgerechnet an Kunst- und Kulturorten stört. Er ist ihnen dort ein ewiger Plagegeist. Staub ist zudem ein Motiv der Vanitas, ein erhobener Zeigefinger gegen unsere Hybris.

Aber: Seine optischen Qualitäten sind poetisch und filigran!

Neben den drei genannten Kernrubriken hat sich das Archiv seit 2004 weiter spezifiziert. Hinzu kamen kulinarische Stäube. Hier sammeln wir Staub aus international renommierten Weinkellern. Weinkultur ist einer der wenigen Kulturbereiche, in denen Staub partiell positiv beurteilt wird. Eine alte, verstaubte Weinflasche gilt als potentieller Schatz. Kellerstäube mit ihren Pilzen können gewünschte Mikroklimata erzeugen.

 

Neu, seit 2010, ist die Rubrik der Naturraumstäube. Wir archivieren hier nun Staub aus Wüsten, Nationalparks, von Bergen und berühmten Stränden etc. Streng genommen sind solche Naturorte nämlich Kunstorte. Es sind künstlich erhaltene „Riesenterrarien“ in einer ansonsten vom Menschen technisierten und artifizierten Welt.

Neu im Aufbau befindet sich seit 2011 die Rubrik der musikalischen Stäube. Hier werden Stäube aus Opernhäusern, Konzertsälen, Festwiesen und ähnlichen Orten gesammelt. Ebenso wird es in Zukunft hier Staub aus den Körpern historischer Instrumente und derer Futterale geben. Dazu zählen etwa Geigenkästen, Gitarrenkoffer lebender Virtuosen und derlei Dinge.

Alle Rubriken reflektieren die kategorische Anwesenheit von Staub. Es geht nicht unbedingt um alte Stäube im Sinne eines zeitlichen Alters. Wobei auch solche Schätze ihren Reiz besitzen. Wir verwahren davon einige. Doch primär interessiert uns Staub allgemein. Wenn möglich archivieren wir mit den Stäuben Photos, Eintrittskarten und ähnliche Dinge, die zu den abgesammelten Bauwerken gehören. Wir kontrastieren die Postkartenrealität mit der Staubrealität der Kulturorte. Dabei gilt allgemein: Was wir schätzen, säubern wir. Kehren, saugen, wischen ist Kunst- und Kulturarbeit.

Staub ist das kleinste gemeinsame Vielfach unserer Kultur.

Ebenso den Beständen angegliedert sind die Dokumentationen und Messergebnisse des Instituts für Kleinraumforschung.

Frau Bentzheimer

Frau Marion Bentzheimer, ist seit 2005 ständige Mitarbeiterin im Archiv. Sie ist über alle Bereiche des Archivs bestens informiert und hilft Ihnen bei Fragen gerne weiter.